Aloe Vera in einem Todesstern-Blumentopf, daran ein ESP32 mit kapazitivem Sensor, ein LiPo-Akku, ein Breadboard und ein kleines E-Ink-Display mit lächelndem Gotchi-Gesicht
Plant-a-Gotchi Zwischenbericht #2 · 21. Juni 2026

Können Pflanzen komponieren?

von Hauke Harms und Yannic Kunisch

Im ersten Bericht haben wir gefragt, ob Pflanzen sprechen können – und uns dann auf die Suche nach Wegen gemacht, ihnen eine Stimme zu geben. Inzwischen redet unsere Aloe Vera nicht nur, sie singt. Und der Bogenhanf, der schon immer ein bisschen rhythmischer wirkte als der Rest des Wohnzimmers, gibt jetzt offiziell den Takt vor.

Wir freuen uns deshalb, das Plant-a-Band Ensemble vorstellen zu dürfen – ein dreiköpfiges Trio aus Topfpflanzen, ein Live-Webradio und ein Stiftplotter, der das Wesen einer Pflanze in kreative Mandalas übersetzt.

Aloe Vera in einem Todesstern-Blumentopf, daran ein ESP32 mit kapazitivem Sensor, ein LiPo-Akku, ein Breadboard und ein kleines E-Ink-Display mit lächelndem Gotchi-Gesicht
Ein Bandmitglied bei der Probe: Aloe Vera im Todesstern-Topf, daneben Sensorik, Akku und das kleine Gotchi-Gesicht, das ihre aktuelle Stimmung zeigt.

Was seit dem letzten Bericht passiert ist

Das technische Fundament steht. Die Sensoren liefern verlässlich Daten, das Backend speichert und visualisiert, das Dashboard malt seine Kurven. Spannend wurde es dort, wo die Daten den Pfad in Richtung Kunst verlassen. Statt am Ende eine Zahl auf einem Diagramm zu sehen, sollte aus jeder Pflanze ein hörbares und ein sichtbares Werk werden – generativ, live und so individuell wie die Pflanze selbst.

Drei Stimmen, ein Stück

Jede der drei Pflanzen übernimmt im Ensemble eine eigene Rolle. Die eine trägt das Fundament, die zweite die Harmonie, die dritte die Melodie. Aus diesen Rollen entsteht im Hintergrund ein zusammenhängendes Stück, das sich an der gemeinsamen Stimmung der drei orientiert. Trockene Erde rückt das Ensemble in dunklere Töne, satte Bewässerung schiebt es in hellere. Sinkende Energie verleiht den Klängen eine leise Unruhe, ein voller Akku eine ruhige Klarheit.

Die musikalische Sprache lässt sich umschalten – je nachdem, in welcher Stilrichtung wir die Pflanzen gerade hören möchten. Die einzelnen Stücke werden zu nahtlosen Loops verwoben und wandern als kontinuierlicher Stream auf unseren Webradio-Server.

Ein Bild pro Augenblick

Parallel zur Musik entstehen visuelle Pendants. Der Plant-a-Plotter erzeugt für jede neue Datenkonstellation ein DIN-A3-Bild, das ein Stiftplotter Strich für Strich auf Papier bringt.

Jedes Werk verbindet eine äußere Form mit einem inneren Muster. Die Form bleibt ruhig, das Muster lebt: Trockenheit lässt scharfe, kantige Strukturen entstehen, Feuchtigkeit weiche, fließende Bögen – und ein schwächelnder Akku zittert sichtbar in die Linien. Jedes Bild ist damit der Schnappschuss eines Moments, ein Porträt der Pflanzen in genau der Verfassung, in der sie sich gerade befinden.

Live auf wiai25.de

Damit der Stream nicht nur in unserem Labor zu hören ist, sondern hier auf der Projektseite Teil des Erlebnisses wird, haben wir das Plant-a-Radio gebaut: ein kleines Live-Dashboard, das den Stream abspielt und in einer dreigeteilten Form zeigt, wie es den drei Pflanzen gerade geht.

Jede Wedge gehört einer Pflanze. Dichte und Bewegung spiegeln ihre Stimmung wider, die Farben wechseln zwischen sattem Blau und warmem Gelb. Lässt eine Stromquelle nach, beginnt das Bild zu flackern, als würde das System leise um Aufmerksamkeit bitten.

Hier erscheint nichts? Plant-a-Radio direkt öffnen →

Plant-a-gotchi Garden

Um all diese Fäden – Daten, Musik und generative Kunst – an einem Ort zusammenzuführen, haben wir unter plantagotchi.wiai-lab.de eine zentrale Entry-Seite geschaffen. Dieser „Plant-a-gotchi Garden“ dient nicht nur als Wegweiser zu den rohen Metriken unseres Grafana-Dashboards, sondern macht das System selbst nahbar: Kleine interaktive Elemente und Mini-Spiele laden zum spielerischen Erkunden der aktuellen Sensorwerte wie Bodenfeuchtigkeit und Akkuspannung ein. Die Landingpage ist dabei mehr als reine Anzeige; sie ist eine aktive Schnittstelle. Von hier aus lässt sich zum Beispiel das Plant-a-Radio direkt starten. So wird die Webseite zum digitalen Schaufenster unserer analogen Botanik.

Was als Nächstes kommt

Bis zur öffentlichen WIAI25-Messe fehlen noch ein paar letzte Schliffe. Unser Fokus liegt jetzt voll auf dem unsichtbaren Rückgrat des Projekts: Wir arbeiten intensiv daran, die Systemarchitektur mit all ihren komplexen Verbindungen technisch stabil zu machen. Wir wollen die Datenübertragung via ESP-NOW optimieren und Ausfallsysteme implementieren, damit das Ensemble auch im Dauerbetrieb nie aus dem Takt gerät. Außerdem entsteht gerade ein maßgefertigtes 3D-Druck-Gehäuse für die Sensorik.

CAD-Render eines 3D-Druck-Bauteils in zwei Ansichten: ein runder Körper mit zwölf ovalen Auswölbungen rund um eine quadratische Aussparung in der Mitte
Ein Blick in die CAD-Werkstatt: maßgefertigtes Bauteil für das Sensor-Gehäuse, kurz vor dem Gang in den 3D-Drucker.

Schau gerne vorbei. Bis dahin tüfteln wir weiter daran, was unsere Topfpflanzen bis zur Messe alles zu sagen – und zu singen – haben.

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