Stilisierte Weltkarte „Die Welt im Licht“ in warmen Sandtönen, auf der zahlreiche Städte mit orangefarbenen Kreisen markiert sind – die spätere Vorlage für den Lasercutter, an deren Kreisen die LEDs sitzen
Reiseziel-Empfehlung Zwischenbericht #2 · 22. Juni 2026

Mit fremden Augen sehen

von Jonas Knorr

Als ich das letzte Mal über dieses Projekt geschrieben habe, hatte ich eine Website, die lief. Auf dem Laptop, auf dem Handy, alles einwandfrei. Mein Gedanke damals war eigentlich ziemlich simpel: Ich programmiere eine Website, lerne dabei einiges übers Coden und kann sie dann ausstellen, fertig. Rückblickend war das ziemlich naiv.

Denn die eigentliche Fähigkeit, die ich gelernt habe, hat mit Programmieren nur am Rande zu tun. Es ging viel mehr um die Frage: Was braucht dieses Projekt eigentlich wirklich? Zum ersten Mal musste ich mich konsequent in die Besucher hineinversetzen. Was macht jemand auf einer Projektmesse? Man hat vielleicht fünf Minuten, läuft vorbei, will unterhalten werden. Was ist interessant, was uninteressant? Was passt überhaupt zum Projekt und was bläht es nur auf? Diese Fragen zu klären hat am Ende mehr Zeit gekostet als das eigentliche Schreiben des Codes.

Vom Werkzeug zur Einladung

Am Anfang dachte ich ehrlich gesagt, ich wäre fast fertig. Eine Grundversion, die funktioniert, hatte ich schon. Aber je tiefer ich drinsteckte, desto mehr Lust bekam ich, mehr daraus zu machen. Und plötzlich fielen mir ständig neue Dinge ein, die noch reinkönnten.

Am deutlichsten sieht man das auf der Startseite. Links die alte Version, rechts die neue – zieh den Griff einfach hin und her:

Startseite der Reiseziel-Empfehlung – neu Startseite der Reiseziel-Empfehlung – alt alt neu
Die Startseite früher und heute. Aus einem reinen Funktionsbildschirm ist eine Einladung geworden – mit klarer Ansage, was einen erwartet, und ein paar Zahlen, die neugierig machen.

Aus Daten wird Persönlichkeit

Im ersten Bericht habe ich Korrelationen erwähnt, die die Geschmäcker der Nutzer direkt miteinander vergleichen. Technisch reizvoll, aber für jemanden, der fünf Minuten am Stand steht, zu abstrakt. Also habe ich sie durch etwas Greifbareres ersetzt: den „Hidden Gem“ und den „Travel Buddy“. Im Kern dieselbe Funktion, die sich jetzt aber anfassbar anfühlt.

So sind die Features entstanden, die dem Projekt jetzt Persönlichkeit geben. Aus den Swipes berechne ich eine „Reise-DNA“, einen Persönlichkeitstyp. Dazu einen Seltenheits-Score, der zeigt, wie ungewöhnlich der eigene Geschmack im Vergleich zu allen anderen Besuchern ist. Und obendrein persönliche Todo-Aktivitäten für jede Stadt. Aus einer reinen Auswertung von Daten ist so etwas geworden, das sich anfühlt, als würde es einen tatsächlich kennen.

Ergebnis-Bildschirm der Reiseziel-Empfehlung – neu Ergebnis-Bildschirm der Reiseziel-Empfehlung – alt alt neu
Derselbe Schritt, zwei Welten: vorher eine nüchterne Analyse der wichtigsten Kriterien, nachher die „Reise-DNA“ samt Seltenheits-Score.

Gemeinsam swipen

Dazu kam ein Multiplayer-Modus: Ganze Gruppen können jetzt gemeinsam swipen und das Reiseziel finden, das am besten zu allen passt. Gerade auf einer Messe, auf der man selten allein unterwegs ist, macht das Projekt damit auf einmal viel mehr her.

Die Landkarte wird echt

Bleibt noch die Idee, die schon im ersten Bericht stand: die physische Landkarte mit LEDs, die die Ergebnisse anfassbar macht. Die entsteht gerade jetzt, in der letzten Woche vor dem Jubiläum. Mitten im Zeitdruck, aber sie wird kommen.

Stilisierte Weltkarte „Die Welt im Licht“ in warmen Sandtönen, auf der zahlreiche Städte mit orangefarbenen Kreisen markiert sind
Die Vorlage für den Lasercutter: Wo die Kreise sitzen, kommen später die LEDs hin. Leuchtet auf der Website ein Reiseziel auf, leuchtet es hier auf dem Holz mit.

Was am Ende wirklich hängen geblieben ist

10 Wochen habe ich an dem Projekt gearbeitet. Was ich in diesen Wochen wirklich gelernt habe, war kein besonderer, neuer Programmiertrick. Es war die Fähigkeit, ein Produkt mit fremden Augen zu sehen. Diese Perspektive einzunehmen war die eigentliche Arbeit.

Bilder und Screenshots: Jonas Knorr

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