Computing in the Humanities
#03 · 30. Januar 2026

CitH: Informatik im Master – ohne Informatik im Bachelor

Im Jahr 2010 ist „Digital Humanities" noch kein etablierter Begriff. An deutschen Universitäten gibt es Informatik-Studiengänge und Geisteswissenschaften, aber wenig dazwischen. Wer als Historikerin oder Linguist feststellt, dass Programmierung interessant wäre, hat ein Problem: Informatik-Master wollen Informatik-Bachelor. Ein Seiteneinstieg ist nicht vorgesehen. Die Universität Bamberg startet trotzdem einen Versuch.

Der Master Computing in the Humanities nimmt Studierende auf, die keinen Informatik-Hintergrund haben. Das klingt heute weniger radikal als damals. 2010 ist unklar, ob es dafür überhaupt Nachfrage gibt – und ob Geisteswissenschaftler wirklich Softwareentwicklung lernen wollen, nicht nur ein bisschen Excel. Der Studiengang setzt auf Tiefe: Programmierung, Datenbanken, Mensch-Computer-Interaktion, Softwareprojekte. Wer durchhält, hat am Ende einen vollwertigen Informatik-Abschluss. Die Vertiefungen passen zu den Herkunftsfächern – Kulturinformatik, Medieninformatik, heute auch Erklärbare KI.

Die WIAI war für dieses Experiment der richtige Ort. Eine Fakultät, die 2001 mit dem Anspruch gegründet wurde, Informatik nicht als Insel zu betreiben. Wirtschaftsinformatik, Angewandte Informatik, Brücken zu Kultur- und Sozialwissenschaften – das war das Programm von Anfang an. Computing in the Humanities hat diese Idee beim Wort genommen: ein Studiengang, in dem die geisteswissenschaftliche Vorbildung kein Hindernis ist, sondern Material.

15 Jahre später ist Digital Humanities ein Feld mit eigenen Konferenzen, Zeitschriften und Berufsperspektiven. Andere Universitäten haben ähnliche Studiengänge eingerichtet. In Bamberg läuft der Betrieb weiter – kleine Kohorten, kurze Wege, ein Wahlkatalog, der mit der Fakultät gewachsen ist. Manche Absolventen arbeiten in Archiven, Museen oder Medienunternehmen. Manche promovieren. Der Studiengang fragt nicht, welchen Weg man nimmt. Er macht beide möglich.

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