Dunkle Startseite des micro:bit-Tutorials mit der Schlagzeile „Schnellstart. Programmieren zum Anfassen.“ und einem micro:bit-Board daneben
#25 · 26. Juni 2026

Das Kind am Küchentisch

Der micro:bit ist ein Computer, klein genug für eine Handfläche. Zum 25. Geburtstag verschenkt die Fakultät ein deutschsprachiges Tutorial dafür: frei lizenziert und für alle gedacht, die zu Hause selbst loslegen wollen.

Der erste frei programmierbare Computer der Welt entstand nicht in einer Garage im Silicon Valley, sondern in einem Wohnzimmer in Berlin-Kreuzberg. Konrad Zuse, gelangweilt von den immer gleichen Berechnungen in seinem Brotberuf, kündigte und baute zwischen 1936 und 1938 zwischen den Möbeln seiner Eltern die Z1, finanziert von Familie und Freunden, zusammengesägt aus dünnen Blechstreifen. Schon als Vierzehnjähriger hatte er einen Automaten gebaut, der gegen Münzeinwurf Mandarinen ausspuckte. Niemand hatte ihm das aufgetragen. Es interessierte ihn einfach.

Man kann darüber streiten, ob solche Geschichten zu viel Romantik tragen. Für jede Biografie, die im Museum landet, gibt es viele, die niemand kennt. Aber ein Muster bleibt, und die Lernforschung beschreibt es nüchtern: Die Begeisterung für Technik entzündet sich selten im Pflichtteil. Sie entsteht dort, wo jemand aus eigenem Antrieb etwas ausprobiert, scheitert, weitermacht, abends, freiwillig, oft ohne dass eine Lehrkraft danebensteht. Dass Informatik in die Schule gehört, steht für uns außer Frage. Aber die Schule öffnet die Tür. Hindurch trägt einen meist etwas anderes.

Das Problem ist, dass dieser Weg lange ein Privileg war. Wer zu Hause jemanden hatte, der löten oder programmieren konnte, kam leicht hinein. Wer das nicht hatte, blieb draußen. Genau hier setzt ein kleines Gerät an, das in eine Handfläche passt: der micro:bit, ein Einplatinencomputer mit zwei Tasten und fünfundzwanzig Leuchtdioden, gedacht für den ersten eigenen Befehl. Damit ein Kind allein loslegen kann, ohne dass jemand danebensitzt, braucht es allerdings eine Anleitung, die das auch zulässt: auf Deutsch, frei zugänglich, vom Auspacken an. Wir haben nachgesehen. Davon gibt es erstaunlich wenig. Das meiste Material richtet sich an Lehrkräfte und an den Unterricht, nicht an das Kind am Küchentisch.

Also haben wir es selbst gebaut. Zum Jubiläum schenken wir uns und allen, die wollen, ein deutschsprachiges micro:bit-Tutorial unter freier Lizenz: einen Schnellstart, einen faltbaren Beipackzettel, ein paar erste Projekte, von der Anzeige eines Herzens bis zum Würfel, der reagiert, wenn man ihn schüttelt. Wer es nutzt, weitergibt oder umschreibt, darf das; eine Anleitung verbraucht sich nicht, wenn man sie teilt. Vielleicht entsteht daraus ein Namensschild, vielleicht ein Alarm für die Schultasche, vielleicht nichts weiter als ein blinkender Smiley. Und vielleicht, irgendwann, in irgendeinem Wohnzimmer, die nächste Z1.

Zur Einordnung: Mizuko Ito et al., Hanging Out, Messing Around, and Geeking Out: Kids Living and Learning with New Media (MIT Press 2010, Open Access), Link; Seymour Papert, Mindstorms: Children, Computers, and Powerful Ideas (Basic Books 1980), Link; Mitchel Resnick, Lifelong Kindergarten (MIT Media Lab / Scratch), Link; Simon Sarris, School Is Not Enough (2023), Link.

Zum micro:bit-Tutorial
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