
Etwas™ Freizeit
Das WIAI-Sommerfest auf der ERBA-Insel, ausgerichtet von der Fachschaft, 17. Juni 2026. Foto: Daniel Beimborn
Am vergangenen Mittwoch fand auf einer Wiese der ERBA-Insel, in Sichtweite des Fakultätsgebäudes WE5, das WIAI-Sommerfest statt. Das ist die Seite, die man sieht: ein Sommerabend am Wasser, die Wiese voller Leute, Studierende und Lehrende beieinander, die sich sonst nur im Hörsaal begegnen. Organisiert hat es die Fachschaft WIAI – eine Handvoll Studierender, neben dem eigenen Studium.
Die Fachschaft WIAI ist die Studierendenvertretung der Fakultät, „von Studierenden für Studierende“, wie sie selbst schreibt, „die Ansprechpartner für Erstis und erfahrene Studis“. Rund dreißig Aktive sind es, sieben davon gewählt. Sie vertreten die ganze Fakultät, von der Wirtschaftsinformatik über die Angewandte Informatik bis zu Computing in the Humanities – eine Studierendenschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Treffen kann man sie montags um 19 Uhr in der offenen Sitzung und werktags von 12 bis 14 Uhr im Fachschaftsbüro.
Das Sommerfest ist nur ein Termin von vielen. Im Dezember die WIAInachtsfeier, deren Name schon verrät, mit welcher Freude hier mit Wörtern gespielt wird. Über das Semester verteilt ein Stammtisch, an dem man die Leute aus den anderen Studiengängen kennenlernt. Zum Studienbeginn die Einführungstage mit Frühstück, Stadtrallye und Kneipentour, damit die Erstsemester nicht allein im neuen Studium stehen. Das klingt nach Beiwerk, ist aber das Bindegewebe einer Fakultät: Vieles, was gutes Zusammenarbeiten erst möglich macht, steht in keinem Modulhandbuch.
Manches davon hat sogar eine fachliche Seite. Einmal im Semester stellt die Choose-a-Chair-Messe alle Lehrstühle der Fakultät nebeneinander, damit Studierende Themen für Seminare, Projekte und Abschlussarbeiten finden und mit denen ins Gespräch kommen, die dahinterstehen. Am Ende kürt das Publikum mit dem Chosen-Chair-Award den Stand, der am meisten überzeugt hat – eine kleine Auszeichnung für gute Lehre, vergeben von denen, die sie erleben.
Manche Ideen der Fachschaft sind so nützlich, dass sie das Ehrenamt überdauern. Das LaTeX-Tutorium etwa gibt es seit Jahren – ein Kurs, der zeigt, wie man wissenschaftliche Arbeiten ordentlich setzt; die Materialien stehen frei auf GitHub. Was als freiwilliges Angebot begann, ist inzwischen im Curriculum angekommen: Der Kurs lässt sich als Baustein des Moduls „Schlüsselkompetenzen Informatik“ anrechnen, das die Universität seit dem Sommersemester 2025 anbietet. Eine studentische Idee ist zum regulären Lehrangebot geworden.
Vieles andere läuft leiser. Ein Mensabot, der täglich die Speisepläne der Bamberger Mensen verschickt. Eine Raumsuche, die freie Seminarräume findet. Eine Sammlung von Altklausuren. Ein anonymes Feedback-Formular für alles, was im Studium klemmt. Den neuen Study Space in WE5/02.008 trägt die Fachschaft mit. Lauter kleine Werkzeuge, die niemand vermisst, solange sie da sind.
Am wenigsten sichtbar ist die Arbeit, die am meisten wiegt. „Zu unserer Arbeit gehört es, Delegierte in Gremien und Ausschüsse auf verschiedenen Ebenen der Universität zu entsenden“, schreibt die Fachschaft – und an anderer Stelle, sie verbringe „etwas™ Freizeit damit, die Studienbedingungen an der Uni Bamberg zu verbessern“. Das ™ ist ein Witz, der auf etwas Ernstes zeigt.
Denn aus den sieben Gewählten ziehen die beiden Stimmenstärksten in den Fakultätsrat ein, vier weitere ins Studierendenparlament; dazu kommen studentische Sitze im Senat. Und in den Berufungskommissionen, mit denen die Fakultät neue Professuren besetzt, sitzen Studierende mit am Tisch – sie dürfen eine eigene Stellungnahme zur Lehrqualität der Bewerbenden abgeben, die in die Entscheidung eingeht. Das ist Aktenarbeit über Monate, Probevorträge, lange Sitzungen, in denen die studentische Seite selten die Mehrheit hat. Bezahlt wird dafür niemand: In Bayern gibt es keine verfasste Studierendenschaft, das Engagement ist freiwillig. Es kostet Zeit und, ehrlich gesagt, auch Nerven.
Wenn die Fakultät am 26. Juni 2026 ihren 25. Geburtstag feiert, wird viel von Lehrstühlen, Studiengängen und Forschung die Rede sein. Das Drumherum, das eine Fakultät erst zu einem Ort macht, an dem man gern ist, sieht man nur, wenn man genau hinschaut. Gemacht wird es trotzdem – jedes Semester neu, von Leuten, die dafür etwas™ Freizeit aufwenden.
Und im Kleinen lässt sich das sofort unterstützen: Gerade laufen die Hochschulwahlen, noch bis Dienstag. Wer wählt, bestimmt mit, wer im nächsten Jahr in Fachschaft, Fakultätsrat und Senat die studentische Seite vertritt – und gibt denen Rückenwind, die diese Arbeit übernehmen. Es dauert ein paar Minuten.
























