Gab's das 2001 schon?
Oktober 2001: Die WIAI wird gegründet, Napster steht vor Gericht, und wer ins Internet will, legt erst mal das Telefon auf. Seitdem sind 25 Jahre vergangen, und mit ihnen eine ganze Reihe digitaler Begriffe, die heute selbstverständlich klingen.
Aber welche davon gab es damals schon? Manche sind älter, als man vermutet. Andere kamen erst Jahre später. Und bei ein, zwei Begriffen lässt sich trefflich streiten.
Zwölf Begriffe, zwölf Mal Ja oder Nein. Tipp auf eine Karte, rate – und lass dich von der Auflösung überraschen. Jeder Reveal-Text erzählt die Geschichte hinter dem Begriff und schlägt den Bogen zur WIAI. Am Ende siehst du, wie du im Vergleich zu allen anderen abschneidest.
Nein.
Das Wort „Podcast“ geht auf einen Artikel von Ben Hammersley im Guardian vom 12. Februar 2004 zurück. Er schlug „podcasting“ als einen von mehreren möglichen Namen für das neue Phänomen vor – neben „audioblogging“ und „GuerillaMedia“. Keiner der Alternativnamen hat sich durchgesetzt. Die Etymologie: iPod + broadcast (Merriam-Webster, first known use 2004). Apple integrierte Podcasts am 28. Juni 2005 in iTunes 4.9 – damit wurde das Format massentauglich.
Die Fakultät produziert seit 2023 den Forschungspodcast „Servus KI!“, herausgegeben vom Bamberger Zentrum für Künstliche Intelligenz (BaCAI). Zu Gast waren u.a. die WIAI-Mitglieder Prof. Dr. Ute Schmid, Prof. Dr. Stefan Ultes und Prof. Dr. Christoph Benzmüller.
Ja.
Älter als die meisten denken: Der früheste schriftliche Beleg für LOL im Sinne von „laughing out loud“ stammt vom 8. Mai 1989 – in FidoNews, Vol. 6 Nr. 19, Seite 10, einer Liste gängiger Online-Akronyme (OED). Ein Kanadier namens Wayne Pearson behauptet, den Ausdruck Mitte der 1980er auf einem Bulletin-Board-System in Calgary erfunden zu haben – er selbst räumt ein, dass es dafür keinen schriftlichen Beleg gibt. In den Oxford English Dictionary wurde LOL erst im März 2011 aufgenommen, zusammen mit OMG, FYI und IMHO. Linguistisch hat sich die Bedeutung längst verschoben: vom wörtlichen Lachen zum pragmatischen Tonfall-Marker. Der Linguist John McWhorter (Columbia) hat das als digitale Konversationspartikel beschrieben.
Prof. Dr. Roman Klinger (BamNLP, Grundlagen der Sprachverarbeitung) erforscht genau solche Phänomene: Wie drücken Menschen Emotionen in digitaler Kommunikation aus? Seine Vorlesung „Emotion Analysis“ untersucht u.a. Sentiment-Signale in Social-Media-Texten. Klingers DFG-Projekt zu Emotionsausdruck in Bildern und Texten auf Twitter und Reddit ist seit Mai 2024 in GEPRIS gelistet.
Nein.
TheFacebook.com ging am 4. Februar 2004 online, zunächst nur für Harvard-Studierende. Innerhalb von 24 Stunden meldeten sich 1200 Nutzer an. Die Domain facebook.com wurde im August 2005 für 200.000 Dollar gekauft und das „The“ gestrichen. Offen für alle ab 13 wurde die Plattform erst am 26. September 2006.
Prof. Dr. Christian Maier (ISHANDS, Health and Society in the Digital Age) forscht zu Social-Media-Nutzung und deren Schattenseiten – darunter Technostress und die Frage, warum Menschen trotz negativer Erfahrungen zu sozialen Netzwerken zurückkehren (Maier et al., 2021, JAIS 22(4)). In seiner Vorlesung „Digital Privacy“ stehen soziale Netzwerke auf dem Programm.
Ja.
QR steht für Quick Response. Erfunden hat den Code 1994 Masahiro Hara bei Denso Wave, einer Tochterfirma der Toyota-Gruppe. Die Idee für das Schwarz-Weiß-Raster kam Hara beim Go-Spielen in der Mittagspause – das Muster der Steine inspirierte das Design. Ein QR-Code kann bis zu 7089 Ziffern oder 4296 alphanumerische Zeichen speichern, inklusive Kanji. Denso Wave verzichtete bewusst auf Lizenzgebühren für standardisierte QR-Codes. Das erste Mobiltelefon mit eingebautem QR-Code-Scanner war das Sharp J-SH09, das im August 2002 in Japan auf den Markt kam.
Prof. Dr. Daniela Nicklas leitet seit 2014 den Lehrstuhl für Mobile Systeme und ist Sprecherin der Bamberg Graduate School for Smart City Science. Im Smart City Research Lab – eröffnet im November 2021 – wird u.a. erforscht, wie digitale Technologien den Alltag in Bamberg verbessern können, von Citizen-Participation-Plattformen (DaPaCity, 2024–2027) bis zu interaktiven Stadtkarten (Bamberg Data Stories).
Nein.
Das Wort „gamification“ taucht in gedruckten Quellen ab 2006 auf (Merriam-Webster, first known use 2006). Der britische Spieleberater Nick Pelling behauptet in einem Blogpost von 2011, den Begriff bereits Ende 2002 für seine Firma Conundra Ltd geprägt zu haben. Richtig Fahrt aufgenommen hat der Begriff ab ca. 2010: Badgeville ging Ende 2010 an den Start, Gartner nahm Gamification in seinen Hype Cycle auf, und Jane McGonigals Buch Reality Is Broken erschien im Januar 2011 bei Penguin Press.
Prof. Dr. Benedikt Morschheuser leitet den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Games und Gamification. In der Lehrveranstaltung „Designing Gamified Systems“ entwerfen Studierende Systeme, die Spielelemente gezielt einsetzen.
Ja.
Das Compaq-interne Strategiedokument „Internet Solutions Division Strategy for Cloud Computing“ ist datiert auf den 14. November 1996. Verfasst hat es George Favaloro, ein Compaq-Manager. Den Begriff „Cloud Computing“ trug Sean O’Sullivan bei, Gründer von NetCentric Communications – in seinem persönlichen Planer findet sich sogar ein Eintrag vom 29. Oktober 1996, also noch etwas früher. Merriam-Webster datiert die erste belegte Verwendung auf 1996. Trotzdem dauerte es noch ein Jahrzehnt, bis der Begriff Mainstream wurde: AWS startete erst 2006 (S3 am 14. März, EC2 im August).
Prof. Dr. Tobias Distler leitet seit Oktober 2025 die Distributed Systems Group. Seine Forschung zu fehlertoleranter Replikation, verteilten Systemen und Ressourceneffizienz liegt genau da, wo die Cloud funktioniert (oder ausfällt). Im gerade abgelaufenen Wintersemester bot er die Vorlesung „Distributed Systems“ und das Seminar „Large-Scale Data-Center Infrastructures“ an.
Nein.
Steve Jobs stellte das iPhone am 9. Januar 2007 auf der Macworld Conference in San Francisco vor. Verkaufsstart in den USA war am 29. Juni 2007. Der App Store folgte am 10. Juli 2008 mit 500 Apps – einen Tag vor dem Verkaufsstart des iPhone 3G. Randnotiz: Das Wort „Smartphone“ ist älter als man denkt. Merriam-Webster datiert es auf 1996, Ericsson benutzte es 1997.
Prof. Dr. Tom Gross ist seit 2011 Gründungslehrstuhlinhaber für Human-Computer Interaction. Seine Forschung zu menschzentriertem Computing, CSCW und Ubiquitous Computing beschäftigt sich mit der Frage, wie Geräte wie das Smartphone unsere Interaktion verändert haben. 2015 richtete er die internationale Konferenz INTERACT in Bamberg aus. Prof. Dr. Michael Engel (Systemnahe Programmierung) forscht an den Betriebssystemen und der Hardware, die in solchen Geräten stecken.
Ja.
Das Wort „Chatbot“ (ursprünglich „ChatterBot“) wurde 1994 von Michael Mauldin in einem AAAI-Paper geprägt (Merriam-Webster, first known use 1994). Sein Programm Julia existierte allerdings schon seit dem 8. Januar 1990 – es lief in TinyMUDs, einer frühen Form von Online-Welten. Das 1994er Paper gab der Kategorie nachträglich einen Namen. Die Geschichte konversationeller Software reicht noch weiter zurück: ELIZA, geschrieben von Joseph Weizenbaum am MIT, stammt von 1966. Und SmarterChild, ein früher Chatbot auf AOL Instant Messenger, ging im Juni 2001 online – als die WIAI gerade gegründet wurde.
Prof. Dr. Stefan Ultes ist seit September 2022 W3-Professor für Sprachgenerierung und Dialogsysteme und Mitglied des BaCAI-Vorstands. Er forschte zuvor an der University of Cambridge und bei Mercedes-Benz R&D an Conversational AI. Im Wintersemester 2025/26 bot er die Vorlesung „Einführung in die Dialogsysteme“ an. Im Servus-KI!-Podcast war er ebenfalls zu Gast.
Grauzone.
Die ersten USB-Flashspeicher kamen Ende 2000 auf den Markt. Wer es erfunden hat, ist umstritten: M-Systems aus Israel reichte im April 1999 ein Patent ein (erteilt November 2000, Erfinder: Amir Ban, Dov Moran, Oron Ogdan). Trek 2000 aus Singapur präsentierte den 8-MB-„ThumbDrive“ auf einer deutschen Messe im Jahr 2000. IBM begann am 15. Dezember 2000 mit dem Verkauf des von M-Systems produzierten „DiskOnKey“. Und Netac Technology aus Shenzhen hatte am 14. November 1999 ein chinesisches Patent angemeldet (erteilt Juli 2002). Bei WIAI-Gründung im Oktober 2001 gab es den USB-Stick also schon – aber die meisten nutzten noch Disketten.
Wer wissen will, was passiert, wenn man einen USB-Stick einsteckt (Treiber, Dateisysteme, Hotplug-Erkennung), sollte die Vorlesung „Operating Systems Engineering“ bei Prof. Dr. Michael Engel besuchen (Lehrstuhl für Systemnahe Programmierung, an der WIAI seit April 2022).
Ja.
Die Abkürzung steht für Digital Subscriber Line. Die asymmetrische Variante ADSL wurde Mitte bis Ende der 1980er bei Bellcore (heute Telcordia) entwickelt – Joseph Lechleider hatte die Idee, die Bandbreite ungleich zu verteilen (mehr Download, weniger Upload). John Cioffi an der Stanford University entwickelte die DMT-Modulation (Discrete Multitone) und gewann 1993 die „Bellcore ADSL Olympics“ – er trägt seitdem den Titel „Father of DSL“. In Deutschland startete die Telekom T-DSL am 1. Juli 1999 in acht Städten – mit 768 kbit/s im Download und 128 kbit/s im Upload. Bei der WIAI-Gründung 2001 war DSL also schon zwei Jahre am Markt.
Prof. Dr. Florian Klingler wurde am 24. Juni 2025 auf den W3-Lehrstuhl für Rechnernetze berufen (zuvor war er an der TU Ilmenau). Seine Forschung zu adaptiven Funkprotokollen, Fahrzeugkommunikation und 5G/6G setzt da an, wo DSL aufhört: beim nächsten Schritt der Netzinfrastruktur. Im Wintersemester bietet er die Vorlesung „Rechnernetze“ an.
Grauzone.
„Homeoffice“ ist ein Scheinanglizismus – das DWDS klassifiziert es explizit als Pseudoanglizismus. Im Englischen bezeichnet „Home Office“ das britische Innenministerium. Die Idee der Telearbeit ist älter: Jack Nilles prägte 1973 die Begriffe „telecommuting“ und „teleworking“ während des ersten dokumentierten Telearbeit-Pilotprojekts. Im Deutschen taucht „Homeoffice“ für den häuslichen Arbeitsplatz ab den 1990er Jahren auf (Wiktionary: „Neologismus der 1990er Jahre“). Die Bedeutungsverschiebung zur Arbeitsform kam schleichend – und dann kam COVID: Laut Hans-Böckler-Stiftung (WSI Report Nr. 65) arbeiteten vor der Pandemie 4% der Beschäftigten ausschließlich von zuhause. Im Januar 2021 waren es 24%.
Gleich drei Lehrstühle befassen sich mit Fragen der modernen Arbeitskultur. Prof. Dr. Tim Weitzel (ISDL) etwa im Seminar „Future Scenarios of Work and Digital Technologies“. Prof. Dr. Christian Maier (ISHANDS) erforscht die Schattenseiten – seine Publikation Maier, Laumer & Weitzel (2023) in BISE 64(6) untersucht die „dark side of telework“. Und Prof. Dr. Daniel Beimborn (ISM, zugleich Studiendekan) forscht zur digitalen Transformation, die hinter dem Homeoffice-Schub steht.
Ja.
Überraschend alt: Merriam-Webster datiert die erste belegte Verwendung auf 1997, zurückverfolgt auf einen Artikel in der japanischen Nikkei Weekly vom 27. Oktober 1997. Die Etymologie hat nichts mit „Emotion“ zu tun: e (絵) heißt „Bild“, moji (文字) heißt „Zeichen“ (OED; die Ähnlichkeit zu „emotion“ ist Zufall). Das bekannteste frühe Emoji-Set sind die 176 Icons, die Shigetaka Kurita 1999 für NTT DoCoMos i-mode-Dienst entwarf: 12 mal 12 Pixel, heute in der Sammlung des MoMA. SoftBank hatte allerdings schon 1997 ein Set von 90 Emoji auf dem DP-211SW-Handy. Apple unterstützte Emoji ab iPhone OS 2.2 (November 2008), zunächst nur in Japan. Die weltweite Emoji-Tastatur kam erst mit iOS 5 im Oktober 2011.
Emoji sind für die Sprachverarbeitung mehr als bunte Bildchen: Sie verändern den Ton einer Nachricht, transportieren Ironie und emotionale Nuancen. Prof. Dr. Roman Klinger (BamNLP) erforscht genau das – sein Schwerpunkt ist Emotion Analysis in digitaler Kommunikation. Die Publikation Khlyzova, Silberer & Klinger (2022), präsentiert auf der WASSA 2022 in Dublin, liegt in diesem Feld.