Studierende präsentieren ihre Projekte an Ständen im Irmler-Musiksaal
#14 · 28. Mai 2026

Projekte, die das Fest überdauern

Projektmesse im Irmler-Musiksaal, 2. Februar 2026. Foto: Tim Kipphan / Universität Bamberg

Im Irmler-Musiksaal standen am 2. Februar 2026 siebzig Studierende an Ständen und führten Fremden ihren eigenen Code vor. Freiwillig, neben der Klausur: Wer zur Vorlesung „Einführung in die Informatik“ ein eigenes Projekt baute und es bei der Projektmesse vorführte, sammelte Bonuspunkte für die Prüfung. 53 Projekte waren angemeldet, 49 wurden präsentiert, einzeln und in Zweierteams, in zwei Runden. Neun Personen gingen herum und ließen sich jedes Projekt vorführen und durch den Code führen. Bewertet wurde das Verständnis. Weil Sprachmodelle funktionierende Programme auf Zuruf erzeugen, sagt die reine Urheberschaft des Codes wenig aus. Die Bewertenden achteten darauf, ob jemand seine Demo zeigen und sich anschließend im eigenen Code orientieren konnte. Auch die erkennbare Eigenleistung floss ein.

So eine Ausstellung ist an der WIAI kein Einzelfall. Das Cooperative Media Lab am Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion von Prof. Tom Gross öffnet seit vielen Jahren zur OpenLabNight die Türen und zeigt Forschungs- und Kooperationsprojekte neben studentischen Arbeiten, zum Anschauen und Ausprobieren (Mitschnitt auf YouTube, Sommersemester 2025). Bei Prof. Benedikt Morschheuser führte die erste Gamification EXPO am 16. Juli 2025 vor, woran dort gearbeitet wird. Aufgegriffen sei nur ein kleiner Ausschnitt: eine App fürs Fußballtraining, ein In-Car-Game, eine VR-Museumsausstellung, Reha-Spiele mit Körpersteuerung. Das sind drei von mehreren solchen Formaten an der Fakultät. Gemeinsam ist ihnen, dass Studierende etwas bauen und es jemandem erklären müssen, der nicht im Hörsaal saß.

Genau das ist in den WIAI-Studiengängen fest verankert. Vom ersten Semester an gehört eigenes Bauen zum Programm: Software- und Forschungsprojekte, dazu Bachelor- und Masterarbeiten an mehr als dreißig Lehrstühlen. Ein Projekt zu Ende zu bringen und es öffentlich zu zeigen, gehört zur Ausbildung. Die Projektmesse macht das früh sichtbar.

Hinter dem Format steht zugleich eine größere Frage, an der die Universität aktiv arbeitet: wie sich Leistung sinnvoll prüfen lässt, wenn leistungsfähige KI-Systeme für alle frei verfügbar sind. Das hochschulweite Projekt BaKuLe (Bamberger Kulturen der Lehre, gefördert von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre) entwickelt und erprobt dafür neue Lehr- und Prüfungsformate. Dort ist auch der ausführliche Erfahrungsbericht zur Projektmesse erschienen, mit dem ganzen Aufbau vom Hackathon drei Tage vorher bis zur Code-Abgabe danach.

Beim Jubiläum bündelt sich das. Ein Prototyp, der für eine Prüfung reicht, hält noch keinen ganzen Nachmittag stand, wenn hunderte Hände daran ziehen. Ausgewählte Projekte aus der Messe werden deshalb in einer eigenen Lehrveranstaltung weiterentwickelt. Beispielhaft gehören dazu eine LED-Spiele-Wand, ein Game-of-Life-Biotop, ein Roguelike-RPG, eine Maschine, die Reiseziele empfiehlt. Ihren Weg dokumentieren die Teams selbst in der Projekt-Werkstatt, vom ersten Prototyp bis zum Stand auf dem Fest.

Am 26. Juni 2026 stehen sie neben den Demos der Lehrstühle: Demos & Exponate zum Anfassen und Ausprobieren. Die Projekte, mit denen alles in einer Erstsemester-Vorlesung anfing, überdauern so das Semester und das Fest.

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