
Roboter mit und ohne Gesicht
Der Service-Roboter Pepper. Foto: Tim Kipphan / Universität Bamberg
Schon im ersten Semester macht ein handtellergroßer Roboterhund namens Bittle auf dem Pult seine Kunststücke. Gesteuert wird Bittle über eine App auf dem Smartphone oder über selbst geschriebene C-Programme. Robotik kommt an der WIAI also schon in der allerersten Stunde vor, nicht erst im Master.

Wer länger dabei ist, kennt unseren niedlichen Service-Roboter Pepper. Er ist kindergroß, hat große Augen und ist ganz nach dem japanischen Kawaii-Prinzip auf Sympathie getrimmt. Dahinter steckt eine einleuchtende Idee: Roboter werden von Menschen eher angenommen, wenn sie menschlich aussehen. Man redet mit Pepper, weil man in ein Gesicht schaut, das Emotionen zeigt. An der WIAI haben schon viele Jugendliche im Schülerlabor mit ihm gesprochen und eigene Dialoge gestaltet. Zwei Pepper-Roboter standen sogar in einer Kunstinstallation im Münchner Haus der Kunst (im Werk „Sprung a Leak“ von Cécile B. Evans, betreut von einer Bamberger Studentin), wo sie wie Schauspieler einen Text sprachen und sich über Marker im Raum bewegten.
Die Roboter, die in den letzten Jahren dazugekommen sind, folgen einer anderen Logik. Unser Unitree Go2 sieht aus wie ein ferngesteuertes Auto auf vier Pfoten, und die Steuerung lernt man schnell. Das Schwierige erledigt der Go2 von selbst: Mit seinem LIDAR-Laserscanner vermisst er laufend die Umgebung und weicht Hindernissen vollautomatisch aus, und auf unebenem Boden halten ihn ein Gyroskop und kräftige Servomotoren aufrecht. Auch er kann niedlich wirken, dazu hat ihm der Hersteller verschiedene Kunststücke einprogrammiert, die er auf Kommando ausführt. Faszinierender als Pfötchengeben ist aber, dass sich diese Maschine fast so leichtfüßig bewegt wie das Tier, das ihr als Vorbild dient.
Niedlich auszusehen ist kein Designziel bei den Robotern, die Prof. Dr. Markus Rickert erforscht. Er arbeitet an „Cobots“. Die haben weder Pfoten noch Gesicht, sondern sind spezialisierte Roboterarme, die etwa in der Produktion mit Menschen zusammenarbeiten sollen. Rickert leitet seit dem Wintersemester 2023/24 an der WIAI den Lehrstuhl für Multimodal Intelligent Interaction. Seine Roboter müssen nicht hübsch aussehen, sie sollen verstehen, was ein Mensch von ihnen will: Gesten, Sprache und eine Berührung deuten, damit auch jemand ohne Robotik-Ausbildung ihnen eine Aufgabe geben kann.

Rickerts emotionslose Roboterarme können nicht „Männchen machen“, und lächeln können sie auch nicht. Auf gewisse Weise sind sie uns trotzdem näher als Pepper, der seit 2020 nicht mehr hergestellt wird. Waren Roboter mit künstlicher Niedlichkeit nur ein Zwischenschritt?
Wer den Go2 selbst steuern und einen von Rickerts Robotern aus der Nähe sehen will, hat dazu am 26. Juni auf dem ERBA-Campus (An der Weberei 5) ab 16 Uhr Gelegenheit; der Roboterhund tritt dort sogar zum Hindernislauf an. Und wer es genauer wissen möchte: Prof. Dr. Markus Rickert hält am 16. Juni um 18 Uhr im Hörsaal WE5/00.022 gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Galster seine Antrittsvorlesung, zu der man auch spontan vorbeikommen kann.



















