Pappschachtel mit sechzehn hölzernen Dekans- und Prodekansstempeln der Fakultät WIAI im Dekanat
#15 · 1. Juni 2026

Die Macht in der Pappschachtel

Pro-, Studien-, Forschungs-, Transfer- sowie der Dekan selbst – man kann ganz durcheinander kommen bei der Vielzahl an Fakultätsleitungsmitgliedern. Einige der Stempel, insgesamt sechzehn, haben sich über die Jahre in der vorliegenden Pappschachtel im Dekanat gesammelt, wobei sie nicht ganz vollständig sind und auch nicht sein müssen.

Sie geben aber Auskunft über die regen Wechsel auf Leitungsebene, deren Ämter in der Regel alle zwei Jahre übergeben werden. Anders als etwa in den USA, wo für eine Professorin oder einen Professor mit der Übernahme des Amtes auch ein Wechsel des Berufs – vom wissenschaftlichen in den wissenschaftsstützenden Dienst – einhergeht, ist es hier ein Amt auf Zeit, das man sehr gerne, mehr oder minder gerne, manchmal wohl auch nur aus Pflichtgefühl übernimmt. Einzige Ausnahme an der Stelle bildet Prof. Fischbach, dessen Amtszeit als Dekan und danach als Vorsitzender des Universitätsrates tatsächlich der Auftakt für einen Wechsel war: Als aktueller Präsident der Universität Bamberg lenkt er nunmehr die Geschicke von oberster Stelle.

Insgesamt hatte die Fakultät in 25 Jahren des Bestehens eine Dekanin, Prof. Schmid, von der bedauerlicherweise nur der Stempel aus ihrer Zeit als Prodekanin erhalten ist, sowie neun Dekane. Drei Professoren, Sinz, Henrich und Wirtz, haben jeweils zwei Amtszeiten als Dekan, wobei die erste Amtszeit von Prof. Sinz rund drei Jahre betrug und er als Gründungsdekan nicht wie alle folgenden vom Fakultätsrat gewählt, sondern von der Universitätsleitung bestellt wurde. Am längsten amtierten übrigens die Studiendekane, von denen sich aber in der Schachtel kein Stempel findet. Die Fakultät hatte hiervon lediglich eine Amtsinhaberin sowie vier -inhaber.

Manche Prodekane wurden folgend auch Dekane, etwa Prof. Schmid oder Prof. Weitzel, andere nicht, etwa die Professoren Mendler, Overhage oder Staake. Insofern existierte an der Fakultät nie ein Automatismus hinsichtlich des Juniors zum Senior. Neuerdings gehört dies ohnehin der Vergangenheit an, da die Fakultät nicht mehr über einen Prodekan verfügt, sondern der Dekan unter den drei übrigen seinen Stellvertreter benennt.

Die gesammelten Stempel entfalten keine Rechtskraft ohne die Unterschrift der oder des jeweils auf dem Fuß Genannten. Sie vereinfachen vielmehr in einer noch immer stark analog arbeitenden Verwaltung den Alltag – weniger für den Dekan selbst, mehr für seine Beschäftigten. Alles, was unterschrieben werden muss, wird zuvor gestempelt und dann in der vorbereiteten Unterschriftenmappe abgelegt. Noch vor der Übergabe der Amtsgeschäfte wird deshalb in der Regel ein neuer Stempel beschafft, sodass die neue Dekanin oder der neue Dekan direkt effizient arbeiten kann.

Wenn man Macht als die Fähigkeit definiert, auf das Denken und Verhalten anderer so einwirken zu können, dass diese sich ihren Ansichten oder Wünschen unterordnen und entsprechend verhalten, dann haben Fakultätsleitungen davon recht wenig. In einem System, das Freiheit von Forschung und Lehre grundgesetzlich garantiert, sind sie seit jeher primus inter pares und mehr auf Strategien der soft power angewiesen. Ihr Stempel, verbunden mit ihrer Unterschrift, ist ein klein wenig hard power, die sie innehaben – oftmals der Segen, ohne den wenig bis nichts vorangeht.

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