
Was ein Sprachmodell vom Fußball versteht
Vor jedem großen Spiel tippt das halbe Land. 2:1, sagt der eine, 0:0 die andere, und alle haben ihre Gründe. Fußball ist die eine Vorhersage, über die alle laut nachdenken, lange bevor angepfiffen wird. Genau da setzt das Tippspiel zum 25. Geburtstag der WIAI an: Man tippt selbst – und lässt eine KI gegen sich antreten.
Pro Spiel tippen drei. Man selbst, mit einem Ergebnis und Punkten nach den üblichen Tippspiel-Regeln: volle Punkte fürs exakte Ergebnis, weniger für die richtige Tordifferenz, am wenigsten, wenn nur die Tendenz stimmt, also wer am Ende gewinnt. Dann eine KI – ein Sprachmodell, also die Technik, die auch hinter ChatGPT steckt. Man füttert sie vorher mit Informationen über die beiden Mannschaften: wie sie zuletzt gespielt haben, Statistiken, Schlagzeilen, und lässt sie tippen. Und schließlich ein festes Feld aus fünfzehn Programmen, das bei jedem Spiel von allein mittippt: von ganz einfachen wie dem Lostopf, der ohne jede Information rein zufällig tippt, und dem Schwarm bis hin zu großen KI-Modellen, oben das aktuelle Spitzenmodell. Der Lostopf ist die Nulllinie: Wer ihn nicht schlägt, hat auch nicht wirklich getippt.
Man könnte für solche Prognosen ein kleines Spezialprogramm bauen, das nur auf Fußball trainiert ist. Das Tippspiel nimmt bewusst das andere Werkzeug: das, das Millionen Menschen täglich benutzen, die meisten zum Suchen und Fragen. Daran lässt sich zeigen, dass dahinter mehr steckt als der Chatbot, den man kennt. Und es zeigt, wo die Grenzen liegen. Denn ein Sprachmodell rechnet nicht aus, wer gewinnt. Es kennt kein Spiel, nur Wörter, und setzt den Text fort, der nach den gefütterten Infos am plausibelsten klingt, am Ende also eine Zahl wie 2:1. Dass dabei brauchbare Tipps herauskommen, ist nicht selbstverständlich, zumal Fußball zur Hälfte Zufall ist. Fußball eignet sich aber gut zum Vergleichen: Nach neunzig Minuten steht das Ergebnis fest, eindeutig richtig oder falsch, kein Streit darüber, wer recht hatte.
Nachhaltigkeit ist an einer Hochschule mit zertifiziertem Umweltmanagement keine Randnotiz, und ein KI-Projekt wirft die Frage ohnehin auf. Das Tippspiel rechnet sie deshalb offen mit und zeigt die laufende Bilanz auf der Seite an: Ein KI-Tipp kostet etwa so viel Strom wie eine Viertelminute Fernsehen, klein, aber nicht null. Das feste Feld tippt jedes Spiel genau einmal, egal wie viele Menschen mitspielen – über das ganze Turnier kommt es damit grob auf einen langen Fernsehabend. Dazu kommen die Tipps, die Mitspielende von der eigenen KI rechnen lassen: Selbst wenn fünfzig Leute sämtliche 104 Spiele von ihrer KI tippen ließen, eine bewusst hohe Annahme, käme rund ein Tag Fernsehen dazu – neben den gut zweihundert Stunden, die das Turnier selbst im Fernsehen läuft. Der große Posten ist das Training der Modelle, und der fällt einmal für alle Nutzenden weltweit an, nicht für ein Tippspiel in Bamberg.
Es geht nicht ums Gewinnen. Der Reiz ist, Dinge zu sehen, die man sonst nur erklärt bekommt. Man füttert sein Modell mit ein paar Informationen und bekommt eine konkrete Zahl zurück, ganz selbstbewusst, als wüsste es Bescheid. Ob es damit über das ganze Turnier hinweg den blinden Lostopf wirklich abhängt, steht am Ende in der Tabelle, oft mit kleinerem Abstand als erwartet. Dass Selbstsicherheit und Treffer zweierlei sind, nimmt man aus einer Vorlesung nicht so mit wie aus ein paar verlorenen Tipprunden.
Es ist dieselbe Idee wie beim „Dein Muster“-Generator: ein einfacher Aufbau, an dem etwas sichtbar wird, das man vorher nicht überblickt hat. Forschung und Informatik anfassbar zu machen, gehört zum Selbstverständnis der Fakultät. Gebaut hat das Tippspiel der Lehrstuhl für Privatsphäre und Sicherheit – passend dazu braucht es zum Mitspielen nicht mehr als eine E-Mail-Adresse.
Eine Frage bleibt: Tippst du besser als die KI? Das Tippspiel läuft schon jetzt und ist kostenlos: mitmachen oder erst nachlesen, wie die KI tippt. Und am 26. Juni wird Forschung beim Jubiläum auf dem ERBA-Campus an vielen Stationen anfassbar.



















