
Mit welchem Spiel wurde ein Team der Uni Bamberg KI-Weltmeister?
Weltmeister wurde hier niemand. Aber Minecraft und die WIAI haben durchaus miteinander zu tun: Im TAO-Schülerforschungszentrum Oberfranken gab es vor ein paar Jahren den Workshop „Crafting mit Python“ – mit WIAI-Beteiligung. Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse konnten dort Python lernen und Skripte schreiben, die direkt in Minecraft wirken: Variablen, Schleifen, If-Abfragen, alles anhand von Gebäuden und optischen Illusionen, die im Spiel entstehen. Der Workshop lief 2019 als Präsenzformat und 2020 als Online-Variante. Die Resonanz war positiv: Programmieren lernen macht Spaß! Das zu transportieren ist ein wichtiges Ziel der Nachwuchsarbeit an der WIAI.
Einen Titel haben wir hier nicht gewonnen. Aber dieses bekannte Multiplayer-Spiel ist an der WIAI ein Forschungsgegenstand – und zwar gleich für zwei Disziplinen.
Am Lehrstuhl für Informationsvisualisierung haben David Glombik, Fabian Beck, Shivam Agarwal (alle Uni Bamberg) und Günter Wallner (JKU Linz / TU Eindhoven) ein Visual-Analytics-System gebaut, das Teamkommunikation in League-of-Legends-Matches sichtbar macht. Was reden die Spieler wann? Wie hängt das mit dem zusammen, was gerade im Spiel passiert? Das System kombiniert Timelines der Spielereignisse mit Transkripten der Sprachkommunikation und einer Sentiment-Analyse. Damit lässt sich etwa nachvollziehen, ob ein Team seinen Angriff klar koordiniert hat – oder ob die Kommunikation zu spät kam. Die Arbeit wurde letztes Jahr beim EuroVis Workshop on Visual Analytics (EuroVA) vorgestellt. Die Autoren sehen Anwendungspotenzial auch jenseits von E-Sport – etwa überall dort, wo Teams unter Zeitdruck verbal koordinieren müssen.
Aus einer ganz anderen Richtung kommt eine Studie in Communications of the AIS von Marco Meier, Christian Maier, Jens Mattke und Tim Weitzel (alle aus der Bamberger Wirtschaftsinformatik-Fachgruppe). Sie haben untersucht, warum Personen, die bei E-Sport-Events zuschauen, für entsprechende Streaming-Dienste Geld bezahlen. Unter den Befragten waren knapp 60 Prozent League-of-Legends-Spieler. Ergebnis: Es gibt nicht das eine Motiv, sondern vier verschiedene Konfigurationen von Motivationen, die zu hoher Zahlungsbereitschaft führen.
Informatik fragt, wie man Teamverhalten sichtbar macht. Wirtschaftsinformatik fragt, wie sich das Geschäftsmodell drumherum erklärt. Zwei Disziplinen, ein Spiel – genau so funktioniert die WIAI.
Das Team BamBirds hat die internationale AI-Birds-Meisterschaft dreimal gewonnen: 2016, 2019 und 2022.
Der Wettbewerb lief im Rahmen der IJCAI, einer der wichtigsten KI-Konferenzen weltweit. Die Aufgabe: ein Programm schreiben, das zuvor unbekannte Angry-Birds-Level autonom löst. Das klingt nach Spielerei, ist aber ein wichtiges KI-Problem. Der Agent muss Objekte im Bild erkennen, physikalische Zusammenhänge verstehen (Was passiert, wenn der Vogel hier einschlägt?) und unter Zeitdruck eine Strategie wählen. Wahrnehmung, Wissen, Planung – alles auf einmal, in Echtzeit.
Das Projekt entstand als studentisches Seminar, betreut von Diedrich Wolter und Ute Schmid. Im Sommersemester 2016 bauten 15 Studierende der Angewandten Informatik den ersten Agenten, aufgeteilt in Teilteams für Bildverarbeitung, Handlungsplanung und Spielstrategie. Der Ansatz war wissensbasiert statt rein datengetrieben: qualitative Wissensrepräsentation und Planung, mit einem Reasoning-System in Prolog im Kern. Beim ersten Antritt gleich den Titel geholt, bei der IJCAI 2016 in New York.
2019 dann der zweite Titel, bei der IJCAI in Macao: Im Finale setzte sich Bamberg mit 228.050 zu 195.350 Punkten gegen die TU Dresden durch, über drei Runden à 30 Minuten. Aber es gab auch einen Realitätscheck: Im separat durchgeführten Vergleich Mensch gegen Maschine schaffte nur ein einziges Programm eines von vier Leveln. Fast alle Menschen waren besser. „Die hierfür erforschten Techniken können in Zukunft etwa Robotern im Haushalt helfen, neue Aufgaben zu erlernen“, sagte Wolter damals – aber der Weg dahin sei noch weit.
Diedrich Wolter ist inzwischen Professor für Hybrid AI an der Universität zu Lübeck. Ute Schmid prägt die KI-Forschung an der WIAI bis heute. Der BamBirds-Code ist öffentlich auf GitHub verfügbar; auch der dritte Weltmeister-Titel 2022 ist dort dokumentiert.
Prolog, qualitative Physik, Planungsalgorithmen – klingt nach trockenem Vorlesungsstoff. Bis man sieht, wie damit ein grünes Schwein vom Turm fällt. Dann klingt es nach Weltmeisterschaft.
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